Teilnahme von Wirtschaftsminister Haseloff am Harzer „Herrenabend“: Falsches Zeichen an junge Frauen in Sachsen-Anhalt
Es könnte ein Provinzereignis bleiben, dass sich am Beginn des 21. Jahrhunderts auch in diesem Jahr ein Teil der Spitzen der Harzer Wirtschaft, aus dortigen Verwaltungen und jene die dazugehören wollen auf Einladung des Landrates des Harzkreises zu einem so genannten „Herrenabend“ getroffen haben. Eine Bezeichnung mit der offenkundig reklamiert wird, dass die Teilnehmer des Treffens die Führung in diesen gesellschaftlichen Bereichen eigentlich als eine männliche Domäne verstehen. Dass bei dem Treffen immer eifrig gespendet wird, um das Geld später an, -in der Tat wichtige, – soziale und sportliche Zwecke auszuschütten, rundet das Bild ab, wenn man weiß, dass die Übergaben immer pressewirksam mit dem Hinweis verbunden sind, es sei beim „Herrenabend“ gesammelt worden. So lassen sich auch verstaubte Ideologien weitertragen. Nur gut, dass diese geistige Welt mehr und mehr Schrammen erhält und einige Frauen geladen werden (müssen), die es auch im Harz an die Spitzen von Wirtschaft und Verwaltung geschafft haben.
Zentraler Programmpunkt einer solchen Veranstaltung ist in jedem Jahr der Vortrag eines Gastes, der den Anwesenden seine Sicht auf die Dinge der Zeit vermittelt. In diesem Jahr war es der Wirtschaftsminister des Landes. Seine Teilnahme an einem „Herrenabend“ wirft die Frage auf, welche Bedeutung die von den Teilnehmern symbolisierte Geisteshaltung in seinem politischen Koordinatensystem hat.
Seit Jahren müssen wir, allen voran die Politiker aller Ebenen, beklagen, dass viel zu viele junge gut ausgebildete Frauen unser Bundesland verlassen und den Ort für ihre Lebens- und Berufsplanung außerhalb Sachsen-Anhalts suchen. Um dieser Entwicklung zu begegnen, hat die Landesregierung das programmatische Wort von den „Haltefaktoren“ geprägt, die es zu entwickeln und auszubauen gilt. Welche Ermunterung, in Sachsen-Anhalt zu bleiben, soll aber gerade diese Gruppe der für unser Land so wichtigen jungen Frauen daraus ziehen, wenn nun auch ein Landespolitiker mit Aufstiegsambitionen zum Ministerpräsidenten durch einen Auftritt bei einem solchen „Herrenabend“ bewusst oder unbewusst, d.h. fahrlässig, ein Zeichen setzt, dass beruflicher Aufstieg in unserem Land eigentlich eine Sache von Männern ist.
Ich wünschte, dass sich Herr Haseloff hier noch mal klar positioniert und vielleicht auch im Harz ein Nachdenken beginnt, ob man den antiquierten Titel „Herrenabend“ und die dahinter aufscheinende Geisteshaltung nicht auf den Müllhaufen der Geschichte werfen sollte.
Zusammenkünfte mit so klarer männlicher Ausrichtung im Titel sollten sich auf solche Bereiche beschränken, die tatsächlich ausschließlich männliche Themen betreffen. Pardon, aber da fallen mir nur medizinische Veranstaltungen zu urologischen Themen ein.
Conny Lüddemann, Dessau
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